100 Jahre Wendt & Kühn

Kunsthistorische Detektivarbeit in der Traditionsmanufaktur

Die Sonderausstellung „100 Jahre Wendt & Kühn – Dresdner Moderne aus dem Erzgebirge“ dokumentiert das vielseitige gestalterische Schaffen der beiden Gründerinnen Grete Wendt und Grete Kühn im Umfeld der sich reformierenden Kunst- und Kunstgewerbeszene und spürt den Einflüssen der Moderne auf das unverwechselbare Design der Wendt & Kühn-Figuren nach.

Die kunst-handwerkliche Fertigung der heute weltweit bekannten Wendt & Kühn-Figurenwelt beruht auf einem reichen Schatz aus über 2.500 Skizzen, Farbentwürfen und Maßzeichnungen der Gründerinnen Grete Wendt (1887-1979) und Grete Kühn (1888-1977) sowie von Weggefährtin Olly Wendt (1896-1991). Diese noch heute produktiv genutzten Archive bildeten die Grundlage einer mehrjährigen Recherchearbeit zwischen Wendt & Kühn und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu den Anfangsjahren der Manufaktur.

Bis 10. Januar 2016 legen 300 ausgewählte Exponate Zeugnis von der Vielfalt in den künstlerischen Ausdrucksformen der Gründerinnen vor dem Einfluss der Dresdner Reformkunst um 1900 ab – und zwar anhand von noch nie gezeigten Zeichnungen, Öl-Gemälden und wertvollen Einzelstücken wie Kleinmöbeln, Puppenhäusern oder gedrechselten Dosen aus Edelhölzern. Zugleich sind die noch heute bekannten und beliebten Kinder-, Engel- und Weihnachtsfiguren aus den ersten Manufakturjahren zu sehen.

Historischer Schatz im Zeichen der Dresdner Reformkunst

Während in den Anfangsjahren eher Reformspielsachen und Tändelkram für die moderne junge Frau entstanden, bildete sich nach und nach die bis heute tragende Figurenwelt von Wendt & Kühn heraus. So erblickte 1923 der erste Grünhainichener Engel® das Licht der Welt. Beim Entwurf der Engelmusikanten beschritt Grete Wendt neue gestalterische Wege. Im Kontrast zur traditionellen Erzgebirgskunst, die oftmals eher starr wirkte, verlieh sie ihren Entwürfen eine schwungvolle Dynamik. „Meine Großtante hauchte ihren Geschöpfen Leben ein und gab ihnen kreative Eigenständigkeit. Das war eine bahnbrechende Entwicklung, die zu einer ganz unverkennbaren Formsprache und zu zahlreichen neu- und einzigartigen Entwürfen führte“, erklärt Claudia Baer, geb. Wendt, die heute in dritter Generation das Unternehmen leitet.

Grete Wendts himmlische Geschöpfe sprachen damals wie heute Liebhaber und Sammler aus aller Welt an. Zu den prominentesten aus jener Zeit zählen der Humanist und Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer, der in seiner Klinik im afrikanischen Lambarene einen Engelberg besaß, oder Helene Weigel, Intendantin des Berliner Ensembles und große Brechtdarstellerin, die oft nach Grünhainichen kam, um Kunst-Handwerk aus der Manufaktur zu erwerben.

Weitere Informationen zur Ausstellung sowie zu Führungen finden Sie im Flyer zur Ausstellung oder unter www.skd.museum.