Interview mit der Designerin

Sophie Augustin

Wir sprachen mit der Gestalterin Sophie Augustin über ihre Kollektion. Wie die Idee entstand, was sie persönlich mit den Figuren von Wendt & Kühn verbindet und wie aus dreidimensionalen Holzfiguren textile Bildwelten entstehen.

Wieso haben Sie sich gerade von den Figuren aus unserer Manufaktur für Ihre Designs inspirieren lassen?

Die Figuren von Wendt & Kühn gehören für mich zu einem traditionellen Bild von Weihnachten. Meine Oma hat jedes Jahr viele Engel an den Weihnachtsbaum gehängt – als Kind habe ich mich immer über dieses Ritual gefreut. Da ich mein Bachelorstudium im Erzgebirge absolviert habe, hat sich die Verbindung zu den Figuren gefestigt. Ich habe die besondere Weihnachtszeit im Erzgebirge einige Jahre hautnah miterlebt. Bei textilwerk arbeite ich seit 2018 und habe schon einige Kollektionen entworfen. Als ich für die Winterkollektion über neue Motive nachdachte, wollte ich diesmal in eine eher traditionelle Richtung gehen. Da kamen mir die Wendt & Kühn-Figuren in den Sinn, die mich schon zu so vielen Weihnachtsfesten begleitet hatten.


War es eine bestimmte Figur, die den „kreativen Anstoß“ gab?

Nein, es war keine einzelne Figur, sondern eher die Stimmung, die von ihnen ausgeht.


Wie würden Sie den Gestaltungsstil beschreiben, den Sie für die Wendt & Kühn-Motive gewählt haben?

Mein typischer Illustrationsstil ist vor allem durch Buntstiftzeichnungen geprägt. Diese sind nicht komplett naturalistisch gehalten, aber durchaus mit feinen Details versehen. Dieser Stil hat etwas Nostalgisches, was sich wunderbar auf die Figuren von Wendt & Kühn übertragen lässt. Hierbei ging es weniger um eine Neuinterpretation, sondern eher darum, die traditionellen Eigenschaften abzubilden. Was ich beim Zeichnen besonders mochte, waren die wiederkehrenden und gut ausgeformten Elemente der Figuren. Es macht Spaß, sie zu zeichnen und sie so durch eine ganz andere Technik als das Drechseln zum Leben zu erwecken.


Wie haben Sie ausgewählt, welche Figuren Sie aufgreifen?

Fast immer gehe ich sehr intuitiv an eine Auswahl heran und lasse mich von meinem Gefühl leiten. So auch bei dieser Kollektion. Natürlich habe ich darauf geachtet, dass ein zusammenhängendes Bild entsteht und einzelne Elemente und das Farbschema immer wieder aufgegriffen werden. Außerdem habe ich berücksichtigt, welche Motive sich erfahrungsgemäß großer Beliebtheit erfreuen, wie zum Beispiel Engel und Weihnachtsmänner. So ist eine Kollektion entstanden, die in sich rund ist, sich aber auch in Zukunft gut erweitern ließe.


Wie kann man sich den Gestaltungsprozess vorstellen? Wie wird aus einer dreidimensionalen Holzfigur eine zweidimensionale Illustration? Und das im Hochsommer!

Sich im Sommer in Weihnachtsstimmung zu bringen, ist schon abenteuerlich, aber das kenne ich mittlerweile und finde es spannend. Es gibt aber auch Tage, an denen es mir zu fremd erscheint und ich die Arbeit dann auch mal beiseitelege. Im Studium haben wir ausschließlich analog gezeichnet, und das mache ich nach wie vor gerne in meiner Freizeit. Für textilwerk arbeite ich aber mittlerweile am iPad und zeichne direkt auf den Bildschirm. Da für die weiteren Prozesse saubere Dateien benötigt werden, erleichtert dieses Werkzeug den Arbeitsfluss erheblich. Die Technik ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass ein digitaler Buntstift dem „echten“ sehr nahekommt.


Bei Ihren Entwürfen haben Sie die Figuren in Ihre eigene Bildsprache übertragen. Was durfte sich verändern? Was musste unbedingt erhalten bleiben?

Mir war bewusst, dass es für Wendt & Kühn wichtig ist, keine schrillen Farben zu verwenden und die Proportionen nicht zu verändern. Die Figuren habe ich also nahezu 1:1 übernommen. Meine kreative Interpretation spiegelt sich eher im Arrangement der Motive wider. Dabei sind kleine Winter- und Weihnachtswelten entstanden. Typografie und gezeichneter Schnee runden das Bild ab.


Was bedeutet es für Sie, dass Figuren aus Ihrer Kindheit nun Teil Ihrer eigenen gestalterischen Arbeit geworden sind?

Die Möglichkeit, mich mit Figuren zu beschäftigen, die mich seit meiner Kindheit begleiten, macht mich sehr stolz. Vor fünf Jahren hätte ich vielleicht noch nicht daran geglaubt. Einen großen Teil trägt dazu textilwerk bei, ein Unternehmen, das mir immer wieder das Vertrauen schenkt, neue Kollektionen zu entwickeln. Es ist schön zu beobachten, wie hier ganz unterschiedliche Welten zu einem gemeinsamen Projekt verschmelzen.


Zu guter Letzt: Verraten Sie uns Ihr Lieblingsmotiv?

Natürlich. Besonders mag ich das Motiv mit dem großen schlanken Erzgebirgsengel. Er wirkt regelrecht majestätisch – als wären die vielen Jahre an Tradition und Feierlichkeit in seiner Gestalt vereint.

Über Sophie Augustin

Die Textildesignerin Magdalena Sophie Orland entwirft unter dem Künstlerinnenname Sophie Augustin Illustrationen bei textilwerk. Sie studierte von 2013 bis 2017 Textilkunst und Textildesign an der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg und schloss anschließend ein Masterstudium im Bereich Conceptual Textile Design an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ab. Seit 2022 arbeitet sie hauptberuflich als freischaffende Textildesignerin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis der Wilhelm-Lorch-Stiftung und dem MaDe Award für „Best Industrial Application“. Ihre Arbeiten wurden international präsentiert, unter anderem auf der Dutch Design Week, der Milan Design Week und dem Ars Electronica Festival sowie im Schloss Hollenegg for Design in Österreich. Seit 2026 ist sie zudem als Lehrende im Bereich Textildesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle tätig.