
„Ich kann kreativ arbeiten, lerne jeden Tag etwas Neues und habe am Ende etwas in der Hand, das ich selbst gemacht habe.“
Sarah, 19 Jahre, 3. Lehrjahr
Sarah hat inzwischen ihre Ausbildung abgeschlossen und arbeitet in der Leimerei-Abteilung.
Sarah, 19 Jahre, 3. Lehrjahr
Schon als Kind wollte ich etwas Kreatives machen. Einen Bürojob konnte ich mir nicht so recht vorstellen. Dass ich einmal Holzspielzeugmacherin werden würde, wusste ich damals natürlich noch nicht. Aber ich war schon als Kind oft bei Wendt & Kühn. Meine Oma nahm mich zu den Schautagen in Grünhainichen mit. Dort konnte ich mich vor allem an den Maltischen und Drehbänken kaum sattsehen. Irgendwann meinte meine Oma schon, ich hätte mir das doch jetzt wirklich oft genug angeschaut. Nach der Schule habe ich dann zwei Praktika bei Wendt & Kühn gemacht. Danach war für mich klar: Das möchte ich lernen.
In den drei Jahren der Ausbildung habe ich verschiedene Bereiche durchlaufen. Natürlich dreht sich viel um Holz. Ich habe gelernt, Figuren zu drechseln, Teile zusammenzufügen und Figuren zu bemalen. Im dritten Lehrjahr fertigen wir unser Prüfstück an. Nun fließt alles zusammen, was wir gelernt haben. Ich habe „Hennis Kochstübchen“ gestaltet. „Stübchen“ sind kleine handgefertigte Holzkästchen. Ihr Innenleben zeigt mit vielen winzigen Details zum Beispiel Alltagsszenen. Henni gab es wirklich – es war ein zahmes Huhn, das auf unserem Bauernhof lebte. Für mein Prüfstück wurde sie zur Küchenchefin – mit karierter Schürze und Nudelholz. Zuerst habe ich sehr viel am Computer gearbeitet. In der Berufsschule hatte ich einen AutoCAD-Kurs und damit technische Zeichnungen aus verschiedenen Perspektiven angefertigt. Dazu kamen eine Aquarellzeichnung und eine schriftliche Begründung für meine Material- und Gestaltungsentscheidungen. Am meisten Spaß hatte ich an den vielen kleinen Details. Ich habe zum Beispiel die Topflappen und das Sitzpolster der Eckbank gehäkelt. Für die Gardine habe ich eine Spitzenborte verwendet, die von meiner Oma stammt. Auch an Hennis kleinen Holzschuhen habe ich ziemlich lange gearbeitet. Gerade bei solchen Kleinigkeiten kann ich mich richtig festbeißen, bis ich zufrieden bin.
Wenn ich heute daran denke, dass ich als Kind bei den Schautagen vor den Maltischen stand und gar nicht gehen wollte, muss ich manchmal schmunzeln. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich irgendwann selbst hier arbeiten würde. Heute weiß ich: Für mich war die Entscheidung für die Ausbildung zur Holzspielzeugmacherin genau richtig. Ich kann kreativ arbeiten, lerne jeden Tag etwas Neues und habe am Ende etwas in der Hand, das ich selbst gemacht habe.

Aus einer kleinen gedrechselten Hühnerfigur entstand die Idee für Sarahs Prüfstück. Um ihr Huhn Henni entwickelte Sarah eine Geschichte und stattete das kleine Stübchen mit zahlreichen Accessoires aus – ein Brot auf dem Tisch, Teller und Gläser im Regal und Holzscheite neben dem Ofen. Die Topflappen und Sitzpolster sind aus feinem Sternzwirn gehäkelt, für die Gardine verwendete Sarah eine Spitzenborte ihrer Oma. Ein liebevolles Detail: Aus dem Topf auf dem Herd steigt tatsächlich Rauch auf. Im Ofen verbirgt sich eine kleine Räucherkerzenkammer.